Pinko Eröffnung: Kristina Bazan über Social Media und Musik
Kristina Bazan, bekannt geworden durch ihren Blog Kayture, ist mit 2.3 Millionen Followern auf Instagram die erfolgreichste Schweizer Influencerin. Die klassische Bloggerin ist sie jedoch nicht - mehr. Gerade erst Anfangs Mai dieses Jahres brachte sie ihre Singel "Clockwork" heraus, ein Album wird noch folgen. Ausserdem findet man auf ihrem Profil keine zuckersüssen Bilder von ihr im Blumenkleid auf der Sommerwiese oder ihrem letzten Frühstück im Five Seasons Hotel irgendwo in einer Metropole. Vor einem Jahr war dies noch die Grundstimmung ihres Feeds, doch nun sieht alles ein wenig anders aus. Kristina redet mit uns über Schubladisierung und ihre Entwicklung vom Beginn ihrer Blogger-Karriere bis heute.
L’OFFICIEL Schweiz: Sie sind für die Eröffnung des ersten Pinko Stores in der Schweiz nach Zürich gekommen. Wie fühlt es sich an, wieder zuhause zu sein?
Kristina Bazan: Als Kind sind wir oft umgezogen. Ich bin in Weissrussland geboren, habe dann eine Zeit lang in Amerika gelebt und bin mit sieben Jahren in die Schweiz gekommen. Mein Zuhause trage ich deshalb in meinem Herzen mit; momentan ist es Paris. Aber es ist immer schön, nach Zürich zu kommen. Ich werde jeweils ein wenig nostalgisch, da viele schöne Erinnerungen mit dieser Stadt verbunden sind.
Auf deinem FB-Profil bist du mit einem T-Shirt der Treedom-Kampagne von Pinko zu sehen. Beim Kauf eines T-Shirt macht man die Pflanzung eines Baumes in Kenia möglich und kann dessen Entwicklung verfolgen. Verfolgst du das Wachstum deines Baumes?
Natürlich. Ich war Stolz, für diese Kampagne mit Pinko zusammen zu arbeiten. Es ist wunderbar, wenn Marken mit einer solch starken Präsenz und grossen Reichweite die jüngere Zielgruppe ermutigen, sich für Wohltätigkeitsorganisationen einzusetzen.
Die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit bekommen immer mehr Raum in der Fashion-Industrie. Wie hast du diesen Wandel zu mehr Umweltbewusstsein erlebt?
Immer mehr Marken werden Aufmerksam auf Ihren Einfluss auf die Umwelt. Wenn jeder seinen kleinen Beitrag für eine umweltfreundlichere Industrie leistet, kann das im Ende das Gesamtbild stark verändern. Gerade den einflussreichen Marken sollte es wichtig sein, diesen Themen mehr Raum zu geben.
Deine Online-Präsenz hat sich im letzten Jahr stark verändert. Auf deinem Blog "Kayture" ist deine Stellungsnahme dazu zu lesen. Was hat schlussendlich den Stein ins Rollen gebracht und dich den Schritt zur Veränderung wagen lassen?
Ich musste es tun. Es war also weniger eine Entscheidung, sondern viel mehr eine Notwendigkeit. Ich habe mit Mode angefangen, weil ich es liebe. Mein Blog entstand ganz natürlich. Aber auf dem Blog wollte ich über die Dinge reden, die ich mache, es sollte nie DIE Sache sein. Seit ich denken kann, ist Musik meine Leidenschaft. Ich möchte von den Leuten nicht schubladisiert werden so à la "Sie ist Influencerin" oder "Model" oder "Sängerin". Ich möchte einfach die Möglichkeit haben, Dinge zu kreieren, zu reisen, Leute zu treffen, mich auszudrücken. Meine Veränderung führte zum Besten, ich kann nun authentisch sein.
Du vergleichst in deinem Text unser Verhalten in Social Media sinnbildlich mit dem Big Brother aus George Orwells Novelle "1984". Kein sehr schmeichelhafter Vergleich. Welche Veränderung wünschst du dir durch deinen Auftritt auf den unterschiedlichen Plattformen?
Bei dem Vergleich habe ich mich auf jeden Fall in den gleichen Topf geworfen. Auch ich war eine lange Zeit ein Sklave von Social Media. Meiner Meinung nach verbinden viele eine Hass-Liebe damit. Ich stellte mir oft die Frage: Wie viel von deinem Leben zeigst du den Leuten? Und egal, was man alles teilt, die Leute wollen immer mehr sehen. Schlussendlich geht es darum, die richtige Balance zu finden. Ich meinerseits möchte Social Media als ein Arbeitsinstrument nutzen, um kreativ zu sein und etwas Interessanteres zu zeigen als nur mein Gesicht, meinen Style. Ich habe viele Follower und ich möchte dies sinnvoll nutzen. Gerade auch dafür, offene Konversationen zu führen, wie wir gerade eine haben.
Hast du das Gefühl, deine Balance gefunden zu haben?
Total. Ganz ehrlich, ich bin glücklicher als je zuvor. Mich ein Stück weit von all den Sozialen Medien zu distanzieren und diese auf eine neue Art zu nutzen, hat gut getan. Denn eigentlich möchte ich gar nicht alles von meinem Leben preisgeben. Ich habe nun einen viel grösseren Frieden in mir.
Anfangs Mai dieses Jahres wurde deine neue Single "Clockwork" veröffentlicht. Ein eher düsterer Song, ein dunkles Video. Man könnte meinen, du hältst die Gesellschaft für einen hoffnungslosen Fall. Im Refrain wiederholst du jedoch immer wieder den Satz "Pray for their hearts". Ist also doch noch nicht alle Hoffnung verloren?
Das Lied IST ein Schrei nach Hoffnung. Es spricht viele verschiedene Themen an und kann als Metapher verstanden werden– für die Liebe, allgemein für Beziehungen in der heutigen digitalisierten Gesellschaft. Das Lied entstand vor allem aus meiner Erfahrung mit menschlicher Grausamkeit. Seit ich mit dem Blog startete, hatte ich eine sehr enge Beziehung zu meinen Followern. Ich habe mir Zeit genommen, alle Kommentare zu lesen und Fans zu treffen, mich mit ihnen auszutauschen. Als ich dann anfing, über meine Musik zu reden, bekam ich grösstenteils negative Gegenreaktionen. Die Leute, die mich bis anhin unterstützten und denen ich so viel von mir gegeben habe, unterstützten mich nicht in dem, was mir so sehr am Herzen lag. Ich habe viel psychische Gewalt erlebt. Es schmerzte wahnsinnig. Im Lied thematisiere ich deshalb diese Dynamik zwischen der virtuellen und der realen Welt. Darum, wie es einem viel leichter fällt, rücksichtslose Sachen von sich zu geben, solange man sich hinter einem Bildschirm verstecken kann. Wie wir alle trage ich helle und dunkle Facetten in mir, doch am Ende des Tages entscheide ich mich, eine positive Person zu sein. Darum entstand ein hoffnungsvoller Refrain, einer, der meinen Glauben an das Gute im Menschen betont.
Welche Reaktionen hast du bezüglich deines Songs bis anhin bekommen?
Viele Leute waren überrascht, dass der Song so dunkel geworden ist. Für mich ist er aber nicht düster, sondern künstlerisch, selbstreflektierend. Er spricht so viele Emotionen an, nicht nur düstere. Emotionen, die wir alle kennen und erleben. Wieso also nicht darüber reden?
In deinem Blog-Beitrag "Clockwork" redest du davon, die Leute mehr in deinen Kopf als in deinen Kleiderschrank lassen zu wollen. Welchen Gedanken würdest du aktuell mit der Welt teilen wollen?
Wir verbringen so viel Zeit in den Sozialen Medien. Es ist wichtig, eine Konversation darüber zu führen. Die Welt wird immer digitalisierter. Das ist ganz schön überwältigend. Unsere Generation ist die erste, die sich damit auseinandersetzen muss. Meine Musik handelt davon und soll zudem dazu bewegen, sich selbst damit zu beschäftigen.
Pinko Zürich
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