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Extravaganz der Zwischenzeit

Innerhalb weniger Jahre entwickelten sich die Cruise Collections zu kreativen Spielwiesen für Modedesigner. Die Modelinien, die im Mai vorgestellt werden und im November verfügbar sind, strotzen nicht nur vor bewusster Extravaganz, sondern sorgen heute in einem Zusammenspiel von Kreativität und Rentabilität auch für einen grossen Markenumsatz.
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Frühling 2018, über Frankreich gehen heftige Schauer nieder. Auch am 28. Mai wird der Ort, an dem die Collection Croisière von Louis Vuitton vorgestellt werden soll, von einem dichten und kalten Regen heimgesucht: die Gartenanlage der Fondation Maeght auf einem Hügel über dem südfranzösischen Städtchen Saint-Paul-de-Valence. Schon einige Tage zuvor hat es beim Defilee der Reiterinnen von Dior in den Stallungen der Domaine de Chantilly heftig geregnet. Für den künstlerischen Leiter von Louis Vuitton, Nicolas Ghesquière, rückt die Stunde der Modenschau immer näher, doch ein Ende des Schauers ist nicht in Sicht.

 

Die 600 Gäste nehmen unter den Pinien Platz, zwischen Skulpturen von Joan Miró, Alexander Calder, Anthony Caro und Barbara Hepworth. Und dann geschieht das Wunder! Das Unwetter endet, die Mannequins erscheinen: retrofuturistische Silhouetten, an den Füssen Sneaker-Overknees, auf den Stirnen Flammenmotive der Visagistin Pat McGrath. Bald geht das Gerücht um, dass das Modelabel dem Regen nur mit der Hilfe eines südamerikanischen Schamanen Einhalt gebieten konnte. Letzterer soll bereits bei der Cruise Collection 2017 in Rio die Wolken vertrieben und bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle für gutes Wetter gesorgt haben. Eine übernatürliche Atmosphäre für eine hypnotische Modenschau. Es sind sechzig Looks und ebenso viele exzentrische Kombinationen, Mix & Match mit bedruckten Stoffen, Savoir-faire-Glanzleistungen, kurz: ein buntes Kaleidoskop von wunderbaren Ideen.

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Ein globalisiertes Business
Nur die grössten Modeunternehmen – Chanel, Louis Vuitton, Dior, Gucci, Prada – können es sich erlauben, auch ausserhalb der regulären Zeiten der Fashion Weeks noch grosse Summen auszugeben und Pressevertreter und Käufer aus aller Welt einzuladen, um so eine Klientel zu beeindrucken, die immer schwieriger zu halten ist. Es ist ein intensiver Moment für die Marke, ein einzigartiges Spektakel, bei dem man vor allem Wert darauf legt, den Designern keine Grenzen zu setzen. Die Cruise Collections 2019 sind ein Wettbewerb der Kreativität und lösen sich mit ihrer bewussten Extravaganz von traditionellen, kommerzorientierten Vorstellungen. Früher war die Kollektion der «Zwischensaison» eher eine einfache, leicht veränderte und kommerzielle Kopie der Hauptkollektion ohne grösseres ästhetisches Interesse.

In den 2000er-Jahren änderte sich die Situation, als sich das Modebusiness immer weiter globalisierte: «Die Croisière ist zu einem Spektakel geworden, das an sich den Anspruch erhebt, fantastisch zu sein», erklärt die künstlerische Leiterin von Dior, Maria Grazia Chiuri. Für Nicolas Ghesquière ist seine letzte Kollektion eine «Erforschung des Begriffs der Exzentrizität».

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louisvuitton.com



Fotografie COLLIER SCHORR für LOUIS VUITTON
Design MARIE-AMÉLIE SAUVÉ für LOUIS VUITTON

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