Gaia Repossi: «Glamour entspricht mir nicht»
Ich liebe es, mir vorzustellen, dass die Frau stärker ist - nicht verärgert – aber sie gibt der Leichtigkeit nicht nach. Es ist die heutige Zeit, die es so verlangt.»
Doch auch die Erziehung. Sie stammt aus einer Familie, die im Juweliergeschäft tätig ist. Ihr Urgrossvater hat das Unternehmen Repossi in Turin im Jahre 1920 gegründet und Gaia ist in diesem luxuriösen und maskulinen Universum der Steine aufgewachsen.
«Als Einzelkind war es klar, dass ich die direkte Erbin war. Aber mein Vater hat mir die freie Wahl gelassen.» Bevor sie in das Unternehmen eingetreten ist, hat die junge Frau Kunst in Paris studiert und ihr Master in Archäologie an der Sorbonne absolviert. «Bereits von ganz klein auf, war es mein grösster Traum zu malen, zu zeichnen und zu formen.»
« Ich habe mir die Frage überhaupt nie gestellt, ob ich – weil ich eine Frau bin - an meinen Berufsplänen etwas ändern sollte. Diese Frage stellte ich mir eher wegen meines Alters.
Aber mein Vater hatte auch sehr früh begonnen, im Familienbetrieb zu arbeiten:
Bereits mit 16 Jahren arbeitete er in den Ateliers. Er hat mich immer wie eine Erwachsene behandelt, hat mich nie übergangen und er hat mir im Unternehmen enorm viel Platz eingeräumt. Ich wurde in sämtliche Projekte sofort eingebunden. Ich kannte seine Träume auswendig: Wenn ich meine Aufgaben übernommen hatte, wollte ich sie auch betreuen. In Wirklichkeit sind es die Träume einer Familie.» Sie präzisiert: « Es ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht des Geschlechts. Mein Grossvater und mein Vater waren stets sehr wagemutig. Sie ertrugen keine Schranken. Für beide existierte das «Nein» nicht. » Geistreich, ambitiös und frei von Tradition und deren Verboten, drängt sich Gaia als Protagonistin ihrer Generation auf. «Wir haben keine Kompromisse das Geschäft oder dessen Image betreffend akzeptiert. Das ist die Unterschrift unseres Hauses.» Sie krempelt den Stil des Hauses um und bricht die Linie mit ihren Einzelkreationen.
«Ich habe eine genaue visuelle Ambition. Ich wünsche mir ein Schmuckstück, das sich von den anderen unterscheidet, das erstaunt, das überrascht und das gleichzeitig einen neuen Klassiker werden kann. Das Schmuckstück ist ein Mittel des Ausdrucks für diejenigen, die es tragen. Es ist das Kapital unseres Hauses, die eigene Sprache zu sprechen.» Um dies zu erreichen, braucht es nicht nur Kreationen, die auf den ersten Blick identifizierbar sind, sondern ebenso ein starkes Image: «In der Flut von Schauspielern, die die prächtigsten Stücke tragen, musste man eine Auswahl treffen. Das Wichtigste war, dass sie einen eklektischen Parcours haben. Die intellektuelle Schauspielerin ist für mich die Schönste. »
Sofort denken wir an Tilda Swinton und Isabelle Huppert: «Sie sind diejenigen, die den Hauptteil zu unserem erfolgreichen Image beitragen, da sie beide sehr starke Persönlichkeiten sind.
Nicht zu durchschauen ist, wo der Glamour ist, der einen unaufhörlich umwirft ? “Ja. Der Glamour entspricht mir nicht. Ich bin nicht sicher, ob ich dieses Empfinden überhaupt verstehen kann.»
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