Le Bristol Paris - Eine stilsichere Pracht
Das elegante Hotel liegt seit über 90 Jahren an prominenter Lage am ruhigeren Ende der Rue du Faubourg-Saint-Honoré, die wegen ihrer Nähe zum Élysée-Palast, den wichtigsten Botschaften und den grossen Luxusboutiquen der Stadt schlichtwegs ideal gelegen ist. Es ist nicht nur eine der Topadressen in Paris, sondern auch eines der elegantesten und diskretesten Hotels der französischen Hauptstadt überhaupt und wird oft als «hôtel du silence» bezeichnet, da diejenigen, die hier absteigen, nie auf der Suche nach öffentlicher Aufmerksamkeit sind. Nun ja, mit einigen Ausnahmen. Ich weiss noch, wie ich zum ersten Mal zum Lunch ins Bristol kam, während der Fussballer David Beckham bekanntermassen seine komplette fünfmonatige Vertragszeit bei Paris Saint-Germain in dem Hotel verbrachte und natürlich sehr viel Publicity bekam. Das gilt normalerweise auch für die Fashionistas, die während der Prêt-à-Porter-Woche hier verbleiben. Doch ansonsten ist das Bristol die Adresse für all jene, die Wert auf absolute Diskretion legen. Angeblich zanken sich die Haute-Couture-Kundinnen während der Laufstegsaison im Januar und Juli um ihre bevorzugten individuellen Suiten – auf sehr diskreter Weise, versteht sich.
Die Fassade und das Interieur des Bristol atmen immer noch den Geist des Art déco, obwohl im Lauf der Jahrzehnte stilistische Änderungen vorgenommen wurden, um sich den modernen Zeiten anzupassen. Der Hotelgründer Hippolyte Jammet stammte aus einer Familie von Restaurantbetreibern. 1978 wurde die Familie Oetker Eigentümerin dieses luxuriösesten aller Palace-Hotels, und seither gehört es zu ihrem illustren Portfolio, neben so grossen Häusern wie dem Lanesborough in London, dem Hotel du Cap-Eden-Roc in Antibes oder Fregate Island auf den Seychellen. Das Bristol war das erste französische Etablissement, das das Prädikat «Palace» erwarb, und diese Ehrung trägt es mit Stolz.
Zurückhaltende Grandezza, so weit das Auge reicht, von der attraktiven Strassenfront aus Comblanchien-Kalkstein bis hin zur Innenausstattung aus Marmor, den Sesseln im Louis-XVI-Stil, den vergoldeten Spiegeln und funkelnden Lüstern. Doch der Unterschied steckt absolut im Detail: Gobelins aus dem 18. Jahrhundert, Stoffe von Canovas und Pierre Frey, Baccarat-Kristall, Porzellan aus Limoges, vergoldete Treppenhäuser und ein wunderschöner Art-déco-Lift – all das trägt zum ausgesucht eleganten Ambiente bei. Die Gesamtwirkung ist in hohem Masse intim und komfortabel und lässt ein geniesserisch-entspanntes Gefühl aufkommen. Das Bristol summt mit einer diskreten, aber liebenswürdigen Geschäftigkeit, während Fa-Raon, die hauseigene weisse Burmakatze, alle Gäste mit der gleichen Herablassung behandelt, ob Superstar oder nicht.
Unter den vielen Stars, die hier im Lauf der Jahre abgestiegen sind, war vielleicht Josephine Baker der schillerndste. Sie feierte 1975 im Bristol mit Gästen wie Prinzessin Grazia Patricia von Monaco, Sophia Loren, Alain Delon und Mick Jagger das Jubiläum ihrer 50-jährigen Karriere. Frei von jedweden Hemmungen sorgte die in Missouri geborene Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin, Bürgerrechtsaktivistin, Entertainment-Ikone und stolze Trägerin des Légion d’Honneur überall, wo sie hinging, für eine Sensation – und war damit womöglich die Wegbereiterin für Stars wie Tina Turner, Lena Horne, Rihanna oder Beyoncé. Josephine Baker, geboren als Freda Josephine McDonald, stammte aus ärmlichen Verhältnissen und wurde eine der berühmtesten Künstlerinnen im Folies Bergère. Wohl alle, die auch nur ein bisschen Ahnung von Popkultur haben, dürften das berühmt-berüchtigte Bananenröckchen von 1927 kennen.
Um Josephine Bakers avantgardistischem Esprit die Ehre zu erweisen, hat ihr das Bristol vor Kurzem eine Suite gewidmet, die passenderweise La Suite Josephine Baker heisst. Die Räumlichkeiten auf 70 Quadratmetern im siebten Stock des Bristol erzeugen den entsprechenden Wow-Faktor, und die atemberaubende Sicht über die Stadt und den Eiffelturm steht dem in nichts nach.
Die von MM-Design Architects entworfene Suite ist in Crème, Himmelblau, Weiss, heller Eiche und pudrigem Rosa gehalten, die wunderschönen Stoffe stammen von Canovas, Frey und Loro Piana. Das Badezimmer ist mit luxuriösem weissem Marmor ausgekleidet, und die Möbel im Louis-XVI-Stil bestehen aus Rosenholz und Eiche in warmen Tönen. Im Bücherregal befindet sich das ein oder andere Josephine-Baker-Souvenir, viele Bücher über die Diva und einige von ihr selbst geschriebene.
Die Idee zum Konzept der Suite stammt von einer unvergesslichen Soiree anlässlich der Premiere von Josephine Bakers Musikrevue am Theater Bobino in Montparnasse. Als Stammgast des Bristol liess die Schauspielerin das prunkvolle, denkmalgeschützte Restaurant d’Hiver privat reservieren, ein ehemaliges Theater, um das herum das Hotel ursprünglich errichtet wurde, und lud 250 enge Freunde ein, mit ihr zu feiern. Ihre Gäste genossen ein schwelgerisches Diner aus Kalbssteak, Hummer, granité au champagne und einem grandiosen, dreistöckigen, arabeskenverzierten gâteau. Signierte Originalfotos des Abends dienen heute als Dekoration der Suite, ebenso wie das legendäre Porträt von George Hoyningen-Huene für das Albumcover von «The Best of Josephine Baker». Die erste nach einer Berühmtheit benannte Suite des Hotels ist ein Beispiel dafür, dass das Bristol ein frisches Image anstrebt, wobei moderne Features mit den vorhandenen antiken Möbeln in Kontrast gesetzt werden.
Eine der wunderbaren Eigenheiten des Bristol ist, dass alle Suiten sich hinsichtlich Einrichtung, Grösse und Schnitt unterscheiden. Um jedem Zimmer eine dominierende Farbe und seine unverwechselbare Atmosphäre zu verleihen, sind die Interieurs vor allem in Beige-, Creme- oder Pastelltönen gehalten, weiss abgesetzt oder mit einer Unifarbe variiert. Die Wände sind hell und harmonisch und stellen einen eleganten Kontrast zu den farbenfrohen Mustern auf Teppichen und Stoffen her. Reizvolle Bouquets auf Chintz, Arabesken auf den Bettdecken, mit Toile de Jouy bezogene Stühle, geometrischer Damast auf den weich gepolsterten Sofas, Steppdecken aus Taft und doppelte Vorhänge aus schwerem Samt machen alle Interieurs zu etwas Besonderem. Kristallleuchter und Lampen mit Seiden- oder Taftschirmen hüllen die Räume in ein weiches Licht, das den Eindruck vertraulicher Ruhe noch weiter verstärkt. Ich war immer schon der Ansicht, dass die überall zu spürende anspruchsvolle Eleganz der eigentliche «Signature Look» des Bristol ist.
Kleine, sorgfältige Details hier und da erinnern die Gäste daran, dass sie hier zuhause sind. Das wird besonders deutlich, wenn man den Schlüssel zur Suite an einem eleganten Schlüsselring überreicht bekommt, entworfen vom Schlosser Jean-Arthur Fontaine zur Eröffnung des Hotels 1925 und mit dem Namen des Bristol graviert. Wenn man einen Schlüssel zum Palast hat, wird jeder Aufenthalt zu etwas ganz Persönlichem. Beim Durchqueren der Drehtür des Bristol taucht man in eine andere Welt, eine Welt voll Tradition und absoluter Klasse, Eleganz und äusserstem Komfort, Charme und Pariser Chic, so wie nirgendwo sonst. Einer jener Orte, wo unvergessliche Augenblicke einfach de rigueur sind.
Drei Gründe, die Suite zu verlassen:
Pool mit Aussicht
Der Pool auf der sechsten Etage des Bristol enthält als einziger in Paris kein Chlor und verfügt über ein dazu passendes Freiluft-Sonnendeck mit freiem Blick über die ganze Stadt. Das ursprüngliche Schwimmbecken erinnert an das Vorderdeck eines Segelschiffs aus den 1920ern. Am Horizont zeigt ein Trompe-l'œil-Wandgemälde das Cap d’Antibes mit der Silhouette des Hôtel du Cap-Eden-Roc, eines weiteren Kronjuwels in der Oetker Collection.
Urbanes Spa
Das Spa bietet das volle Angebot, mit Behandlungen von LaPrairie und Tata Harper. Letztere kommt selbst regelmässig zum Lunch ins Bristol. Viele Stammgäste werden sicher zustimmen: Für die beste Massage überhaupt sollte man Peter anfragen, denn der Star-Therapeut des Spa wendet seine ganz persönliche Fusion-Technik an, die schlicht lebensverändernd ist.
Gastronomie
Während der Sommermonate können die Gäste im Innenhof des Hotels und auf der Gartenterrasse des Le Jardin Français unter freiem Sternenhimmel dinieren. Auch ansonsten glänzen die Restaurants des Hotels mit Sternen, von der Brasserie 114 Faubourg (1 «Michelin»-Stern) bis zum Épicure, dem 3-Sterne-Restaurant von Éric Fréchon. Tagsüber muss man unbedingt ins Café Antonia. Bei einem der verlockendsten Mittagsmenüs in Paris treffen sich dort die oberen Zehntausend der Stadt.
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ZVG