Time bringt eine ganze Bewegung aufs Cover
Das jährliche Cover der Time mit der "Person of the Year" wird diesmal von einer ganzen Gruppe geziert: "The Silence Breakers", heisst es in der Schlagzeile. Das umfangreiche Portfolio an Aktivisten, Künstlern und Schauspielern - Männer und Frauen, einige anonym -, die ihre persönliche Plattform genutzt haben, um auf die Machtmissbräuche innerhalb ihrer Branche und der Gesellschaft aufmerksam zu machen.
Der Anstoss der in diesem Jahr beobachteten Aussprechungs- und Auflehnungs-Bewegung kommt laut der Time mit der Aussage der Schauspielerin Ashley Judd gegenüber der New York Times zusammen. Dort berichtete sie von sexuellen Übergriffen des Filmproduzenten Harvey Weinstein. Was folgte, war ein Schneeball, oder eher eine Lawine, an ähnlichen Aussagen von anderen Frauen in Bezug auf den Filmproduzenten. Die Einheit der Stimmen führte zu einem Social-Media-Moment unter dem Schlagwort #MeToo, der grassierenden sexuellen Missbrauch in Hollywood, Washington, der Wall Street und verschiedenen religiösen Institutionen zutage förderte - praktisch überall, wo Autorität ausgeübt wird.
Die Coverstory der Time enthält Dutzende von Menschen mit - leider - ähnlichen Geschichten. Schnell wird klar, dass Missbrauch unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Beruf, Einkommen oder Berühmtheit passieren kann. Taylor Swift, wohl eine der berühmtesten Personen der Welt, hat gerade im August dieses Jahres einen Fall vor Gericht für sich entschieden. Sie wandte sich gegen den ehemaligen Radio-DJ David Mueller, der Swift wegen Rufmord verklagte, nachdem sie ihn beschuldigt hatte, sie während eines Backstage-Fototermins befummelt zu haben. Swift gewann ihren Fall mit einem symbolischen Betrag von einem Dollar, welchen Swift selbst festgelegt hat. Auf die Auszahlung warte sie noch immer.
Auch wenn "Person of the Year" wie eine glitzernde Auszeichnung klingt, ist dies nicht so. Stattdessen soll es die Person (oder in diesem Jahr die Menschen) zeigen, die am meisten zum öffentlichen Diskurs oder kulturellen Wandel beigetragen haben. Letztes Jahr ging dieser an Donald Trump, dessen Sieg im November gegen Hillary Clinton eine neue Ära der Politik kennzeichnete. Der ehemalige Reality-Host teilte seinen Anhängern über Twitter mit, Time habe ihm angeboten, wiederholt "Perosn of the Year" zu werden. Die Zeitschrift bestritt solche Behauptungen, zeichneten ihn aber doch als Zweitplazierten aus. Trotz der vielen Anschuldigungen gegen Trump, vor allem angesichts der Coverstory des Magazins, erwähnt Time nichts von den angeblichen Misshandlungen durch den Präsidenten.