Millenials Talk: Black Friday und das Privileg, darauf zu verzichten
Die Woche vor dem Black Friday schien sich meine Instagram-Startseite in zwei Lager geteilt zu haben. Einerseits waren da all die Labels, die mir ihre Produkte mit 20, 30, ja wenn nicht 50% Rabatt unter die Nase hielten und die unverzichtbaren Schnäppchen an dem besagten Tag schmackhaft machen wollten. Brauchen Sie noch das perfekte Weihnachtsgeschenk? Dann schlagen Sie jetzt zu und ergattern Sie sich das Smoothie-Maker Starterpaket zum halben Preis! Und Sie benötigen bestimmt noch einen kuschligen Winterpullover, weil davon haben wir alle sowieso viel zu wenig, also nehmen Sie unser einmaliges Angebot in Anspruch und profitieren Sie von unschlagbaren Preisen! Erwarten Sie in der Weihnachtszeit öfters Besuch, den Sie beeindrucken wollen? Hier das Tischset ihrer Träume so günstig wie noch nie zu vor und auch nie wieder danach! Begründungen, warum meinem Leben noch dieses und jenes fehlt, und Ausrufezeichen, überall Ausrufezeichen.
Von der konsumkritischen und umweltbewussten Seite jedoch mischte sich Kritik hinein.
Der Black Friday bringe schlussendlich niemandem etwas, es sei ein Trauerspiel der Generation Y und in Europa sowieso lachhaft, wo dieses amerikanische Phänomen – McDonalds und Halloween lassen grüssen – hierzulande doch keinen konkreten Anhaltspunkt besitzt. Aufrufe zum Boykott des Black Fridays, indem man auf die Schnäppchenjagd verzichten solle, ertönten, und allgemein wurde das nachhaltige Leben mit Verzicht auf diesen übermässigen Konsum als die Creme de la Creme und Pflicht des elitären Bürgers dargestellt.
Zwischen diesen beiden Extremen fand ich mich, wie so viele andere, also wieder und da mich der Black Friday noch nie sonderlich anzog, sah ich mich auf der verzichtenden Seite wieder. Natürlich nicht so, dass ich gleich alle verurteilen würde, die am Freitag einkaufen gingen. Dachte ich jedenfalls. Bis mir auffiel, wie sich viele Leute in meinem Umfeld und auch einige Persönlichkeiten auf Instagram für ihren Kauf am Freitag rechtfertigten. Sätze wie "das stand halt schon lange auf meiner Wunschliste" und "das könnte ich mir im Normalfall einfach nicht leisten" begegneten mir vermehrt, und in meinem Kopf begannen langsam aber sicher Fragen ihre Runden zu drehen.
Warum nochmal sollte ich es den Menschen übel nehmen, wenn sie sich etwas leisten, für das sie sonst das Geld nicht haben?
Und warum bahnte sich da jeweils ein klein wenig Verachtung an, wenn ich mir die übertriebenen Werbungen für den Black Friday ansehe? Und weshalb halte ich mich mit meinem selbstzufriedenen Verzicht für eine kleine Weltverbesserin, nur weil ich mir an diesem Tag nichts kaufen muss? Denn so ist es tatsächlich – ich bin nicht auf die Sonderangebote am Black Friday angewiesen. Ich kann ohne weiteres darauf verzichten und noch immer gut leben. Ich sah mich selbst nie als sonderlich privilegiert, ich würde mich vielleicht als gute Mittelklassebürgerin beschreiben. Doch bei all diesen Gedanken kam ich nicht darum herum zu bemerken, dass mein bewusster Verzicht ein Privileg ist.
Ob Sie sich nun in diesem Verhalten wiedererkennen oder nicht, so besitzen wir alle höchstwahrscheinlich Privilegien, denen wir uns nicht bewusst sind. Ob das nun den Einkauf in der Migros und nicht bei Aldi oder Denner beinhält, das Tragen von Chanel anstelle von H&M oder die Home-Deko von angesehenen Designern anstelle der von IKEA vom Black Friday. Und damit möchte ich nicht das Privileg der Wohlhabenden schlecht reden. Aber oft ist uns nicht bewusst, in wie vielen Bereichen wir im Vorteil sind und aufgrund dieses Nicht-Bewusstseins eine leicht überhebliche Haltung jenen gegenüber einnehmen, die sich nicht den gleichen Standard leisten können.
Und was ich daran vor allem kritisiere: Wir richten uns mit dieser Haltung gegen die Falschen.
Den oftmals können die Menschen mit geringerem Einkommen nichts dafür, an dieser Stelle der Gesellschaft zu stehen. Sich einfach mal einen besseren Job zu suchen ist nicht immer so leicht und wer einmal unten ist, kommt nur mühsam hoch. Denn unser System funktioniert nun einmal nicht, wenn alle oben sein würden. Und damit komme ich zu jenem Gegenstand der Kritik, der unsere eigentliche Verachtung verdient hat: der Kapitalismus. In diesem Sinne sollten wir nicht die Konsumenten verachten, die aufgrund der Bedingungen unserer Gesellschaft auf Black Friday-Angebote und den Sale im Supermarkt angewiesen sind, sondern unsere Kritik den Produzenten gegenüber deutlich machen. Denn Verachtung gegenüber den Wehrlosen hat die Welt noch nie zum Besseren verändert.
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