Editor's Pick: "Astrid" verzaubert
Astrid Lindgren ist wohl aus keinem Kinderzimmer wegzudenken und unbestritten eine der bedeutendsten Kinderbuchautorinnen der westlichen Kultur. Wie das kam? Dieser Frage widmet sich der dänisch-schwedische Spielfilm "Astrid". Die Handlung beginnt im Wohnzimmer der bereits betagten Lindgren, welche zwischen Bergen aus Geburtstagskarten von Kindern an ihrem Schreibtisch sitzt. Darunter befindet sich auch eine Kassette, auf die eine Schulklasse ihre kindlichen Gedanken zu den Geschichten Lindgrens gesprochen hat. Und während man den unschuldigen Kinderstimmen lauscht, springt der Film um Jahre zurück, in ein kleines schwedisches Dorf der 1920er Jahre. Astrid, damals noch Ericsson, sitzt unruhig auf der Kirchenbank, während ihre Mutter sie mit zornigen Blicken zur Ruhe auffordert. Die Lebenslust und Fantasie der damals 15-jährigen ist von dieser ersten Begegnung an greifbar. Im Verlaufe des Films begleitet man das junge Mädchen auf ihrem holprigen Weg ins Erwachsensein, welcher eine ungewollte Schwangerschaft, einen egoistischen Liebhaber und den ermüdenden Kampf um ihren Sohn beinhaltet. Dabei hört man immer wieder die Feststellungen und Fragen der Kinder aus dem Off, welche das Ganze untermalen und die Bedeutung dieser prägenden Jahre für ihre späteren Werke sichtbar machen.
Dieser Film zieht einen in den Bann. In Momenten der scheusslichen Widerlichkeit möchte man gerne aufstehen, sich auf den Boden werfen, schreien, wie es die Astrid des Filmes tut. Dann sind da wieder diese Augenblicke der unerwarteten Zärtlichkeit, die den bitteren Geschmack der schier unerträglichen Sequenzen ein wenig erträglicher machen und sich zu in einer schmerzhaft-schönen Lebensmelodie vermengen. Und wenn zum Schluss die Kinder von der Kassette davon singen, dass man durch den Tod ins Leben, durch die Dunkelheit ins Licht springen muss, dann fühlt sich das ein klein wenig an wie eine kindliche Umarmung an, die einem die Sicherheit gibt, das es irgendwie weitergeht.