Be Well

Veganes für die Haut

Sie sind bisher noch nicht auf tierfreundliche Beauty umgestiegen? Wenn Sie bereits darauf achten, dass Ihre Produkte keine Parabene enthalten und mit dem Label Cosmos Organic bestens vertraut sind, dann sind Kosmetika ohne tierische Inhaltsstoffe für Sie das nächste Level der verantwortungsvollen Pflege!
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Die Zeichen der Zeit sind deutlich. In den Restaurants stehen immer mehr vegane Menüs zur Auswahl, Naturalia hat im letzten Jahr drei ausschliesslich vegane Läden eröffnet und in Frankreich ist der Konsum von Fleischwaren beständig am Sinken. Die Schockbilder aus den Videos der Organisation L214 haben diese Entwicklung unbestritten vorangetrieben, ebenso wie die Tatsache, dass das Leiden der Tiere immer mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt. Als dann die Tätowiererin, Make-up-Expertin und militante Veganerin Kat Von D unter grossem Wirbel ihre so leistungsfähige wie tierfreundliche Kosmetiklinie bei Sephora vorstellte, war das der Auslöser für zahlreiche Beauty-Fans, den Schritt zu wagen und den Veganismus auch in ihrem Badezimmer einzuführen. Das ist ethisch, gut für die Natur und respektiert die Tierwelt – wirft aber dennoch Fragen auf.

 

Im Etiketten-Dschungel

"Vegan zu leben heisst, keinerlei Produkte tierischen Ursprungs für die Ernährung, Kleidung, Pflege oder die Kosmetik zu verwenden", erklärt Pascal Le Clech, Mitbegründer der Website Veganie.com, die auf vegane Kosmetik spezialisiert ist. Also weg mit Milchprodukten, Eiern, Seide, Wolle und Leder. Schluss mit der kosmetischen Verwendung von Bienenwachs, das durch pflanzliche Wachsmischungen ersetzt werden kann, Schluss mit Lanolin, einem tierischen Fett, das wegen seiner stark glättenden Wirkung eingesetzt wird. Bei The Body Shop oder Lush, die ohnehin nicht mehr an Tieren testen lassen – nach den EU-Richtlinien sind solche Versuche seit 2013 untersagt, aber da gibt es Ausreisser –, werden nun auch Schminkpinsel nach und nach von tierischen Bestandteilen befreit. Manchmal ist es nicht so leicht, Ersatz zu finden, wie Hilary Jones, Verantwortliche für Ethikfragen bei Lush, erklärt: "Nicht alle unsere Produkte sind vegan", räumt sie ein. "Wir verwenden aufgrund der Konsistenz und Textur noch Honig, Eier und Lanolin in einigen Produkten, aber wir suchen weiterhin nach Ersatzlösungen, die ebenso wirksam sind. Da wir weder auf die Erdölindustrie noch auf Tierversuche zurückgreifen möchten, ist unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung ständig im Einsatz!" Das erklärt, wieso das Angebot an Wimperntusche eher mager ist, wenn kein Bienenwachs enthalten sein soll, und nur wenige intensive Rottöne zu finden sind. Da diese nicht aus Eisenoxyden gewonnen werden können, stammen sie in der klassischen Kosmetik vom Farbstoff E120, oder Karminrot, der aus zerquetschten Cochenille-Schildläusen gemacht wird. Auch in der Nahrungsmittelindustrie ist die Farbe sehr gebräuchlich. Und damit ist bei Weitem nicht alles geklärt: Um die Bezeichnung "vegan" zu erhalten, darf die Pflege nicht an Tieren getestet sein, weder die Inhaltsstoffe noch das fertige Produkt. Das macht die Wahl für die Verbraucherinnen noch komplizierter, zumal es einen verwirrenden Etiketten-Dschungel gibt, wo zusätzlich zwischen den Bezeichnungen "vegan" und "cruelty-free" zu unterscheiden ist. Ersteres ist ein Produkt aus rein pflanzlichen und mineralischen Inhaltsstoffen und völlig frei von Substanzen tierischen Ursprungs. Ein Produkt kann hingegen "cruelty-free" und dabei nicht vegan sein. Das Label garantiert zwar, dass das Produkt nicht an Tieren getestet wurde, es kann aber Komponenten wie Quallenkollagen, Bienen- oder Milchprodukte enthalten. Sie zweifeln? Entscheiden Sie sich für das Label Cruelty-Free and Vegan von Peta, der amerikanischen Organisation für den ethischen Umgang mit Tieren. Die so gekennzeichneten Marken schliessen Tierversuche und Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs in ihren Produkten aus. 

Morgen haben es alle?

Dieser Bewegung kann sich kaum eine Marke entziehen. Laut einer britischen Studie, die der "Guardian" 2016 durchführte, sind 42% der Vegetarier unter 35. Um die Millennials und die Generation Z anzusprechen, die besonders sensibel für Ethik- und Umweltfra- gen sind und deren Identitätsfindung auf ganzheitlichem Wege stattfindet, darf man die Trendwende auf keinen Fall verpassen. Doch die Mühe zahlt sich aus, wie am Erfolg der jüngsten veganen Marketing-Kampagnen der Kosmetikmarken Urban Decay und Too Faced zu sehen ist. Nachdem sie einige ihrer vega- nen Produkte beworben hatten, stieg ihr Absatz, weil es sich vor allem auf den sozialen Netzwerken herumsprach. Nicht nur Urban Decay, das bereits seit über zwanzig Jahren auf dem Markt ist, erweitert ständig seine garantiert vegane Palette ohne Tierleid. Auch andere Marken wie Anastasia Beverly Hills, Zoeva und Eyes Lips Face scheinen begriffen zu haben, dass sich diese Neuausrichtung lohnt, um weiterhin eine aufmerksame, informierte Käuferschaft anzusprechen. Diese Strategie trägt zur positiven Imagebildung bei: "Die Generation Y und Z hat die Welt in direkter Reichweite", sagt Hilary Jones. "Sie hat Zugang zu Informationen, die früheren Generationen unbekannt waren. Heute geht es nicht mehr darum, für eine Handvoll engagierter Verbraucher attraktiv zu sein, sondern darum, eine neue Generation anzusprechen, die anspruchsvoll ist, die gegenüber den Konzernen und der Art, wie deren Handeln die Menschheit und die Erde beeinflusst, kritisch eingestellt ist." Für den Kosmetiksektor besteht die Herausforderung auch darin, zu verhindern, dass immer mehr Kundinnen abwandern. Solche, die zwar nicht vegan leben, aber sensibilisiert sind, die bereits Parabene, Sulfate und Silikone ablehnen, Konser- vierungsmittel verbannt haben, nach dem Motto "You are what you eat" essen (was den Konsum von Superfoods wie Spirulina, Goji-Beeren, Kale und Co. stark ansteigen liess) und die sich jetzt Gedanken darüber machen, was sie an ihre Haut lassen. Und bei solchen, die der klassischen Kosmetik zugunsten der veganen abgeschworen haben, kommt eine Rückkehr in vielerlei Hinsicht natürlich nicht infrage.

 

Wachsam bleiben

Auch wenn der technologische Fortschritt heute Inhaltsstoffe verfügbar macht, die Tieren Leid ersparen, sind die Konsumentinnen nicht bereit, die Wirksamkeit zugunsten ethischer Prinzipien zu opfern. Diese Tatsache schreckt die Verfechter der veganen Kosmetik nicht ab: "Es ist ein riesiger Luxus, die Wahl zu haben", lautet die Analyse von Kat Von D, Make-up Artist und Gründerin der nach ihr benannten Marke. "Ich bin nicht für das Moralisieren, aber als Veganerin und grosser Make-up-Fan wollte ich Kosmetika produzieren, die meinen Lebensstil haargenau widerspiegeln. Ich war bereits Vegetarierin, als ich beschloss, vegan zu werden, und in der Woche, als ich Milchprodukte aufgab, merkte ich, dass meine Haut mehr strahlte, sogar mehr als nachdem ich das Rauchen aufgegeben hatte! Ich war weniger müde und ausgeglichener. Das war für mich der Anstoss, die Formel aller Produkte zu ändern, die noch nicht vegan waren. Es hat Zeit, Geld und Mühe gekostet, aber wir haben alle Ersatzstoffe gefunden." Trotzdem sei daran erinnert, dass vegan nicht automatisch bio bedeutet. Ein Produkt kann als "vegan" bezeichnet sein, ohne dass es das Label Cosmos Organic trägt. Da finden sich dann durchaus noch chemische Substanzen, die natürlich nicht von Tieren stammen, aber potenziell problematisch sind – Mineralöle, Parabene, synthetische Konservierungsstoffe und so weiter. Die Entscheidung, auf vegane Kosmetik umzusteigen, hat vor allem persönliche Beweggründe, was nicht heisst, dass man die Zusammensetzung ausser Acht lassen kann. Sie hätten da noch Fragen? Laden Sie die App Clean Beauty herunter, mit der Sie die Zusammensetzung von Beauty- und Hygiene-Produkten analysieren können. Dazu genügt ein Foto der aufgelisteten Inhaltsstoffe von der Verpackung. 

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Bio-Seife No 6 mit Haferflocken, Savon Stories, CHF 10.
BB Cream, LilyLolo, CHF 20.
Pinsel, The Body Shop, zwischen CHF 10 und CHF 15.
Wrinkle Fighting Serum, Gisèle Delorme, CHF 75.
Ocean Salt Gesichts- und Körperpeeling, Lush, CHF 15.
Kukui & Jojoba Bead Skin Brightening Exfoliator, Pai Skincare, CHF 40.
Cocoa Contour Chiseled to Perfection, Too Faced, CHF 45.
Lippenstift Vice Lipstick, Urban Decay, CHF 25.

Die Augen offen halten

Viele Stoffe, die in der veganen Kosmetik verboten sind, kann man leicht erkennen. Aber wie ist es mit solchen, die sich mit unverständlichen Namen tarnen? Am besten lernt man, die Etiketten zu entziffern, um so die entsprechenden Stoffe zu vermeiden.
 

CI 75470 oder Karminsäure: der tiefrote Farbstoff, der aus zerdrückten Cochenille-Läusen gewonnen wird. Der sehr häufig in Lippenstiften und Rouges eingesetzte Stoff sorgt heutzutage für Kontroversen, weil für dessen Herstellung das Insekt sterben muss.

Kollagen: gewonnen aus gekochten Knorpeln. Es stammt aus den Gerippen von Schlachtvieh – oder Fischhaut, falls es sich um marines Kollagen handelt – und wird als Filmbildner zum Hautschutz und gegen Feuchtigkeitsverlust verwendet.
 

CI 75170 oder Guanin: Dieser Molekularkomplex stammt aus chemisch behandelten Fischschuppen und wird Produkten zugesetzt, bei denen ein Perlmutt-Effekt erwünscht ist. Er ist als Zusatz in bestimmten Lacken, irisierendem Lidschatten, Rouge und Shampoo zu finden.
 

Keratin: ein natürlicher Bestandteil von Haar, Federn, Hörnern und der Haut von Tieren. Es wird als weich machender Wirkstoff in Haarpflegeprodukten eingesetzt.


Squalan: Dieser Inhaltsstoff macht geschmeidig und hydratiert. Er stammt aus der Leber von Haien. Zu finden ist er in Feuchtigkeits- und Anti-Aging-Cremes, wird heute aber oft durch ein pflanzliches Äquivalent auf Basis von Oliven ersetzt. 

 

Image Credits:
Fotografie - Ash Reynolds
Models - Neelam Gill und Leila Zandonai @ Next
Make-up - Barrie Griffith mit Produkten von L’Oreal
Haare - Kristopher Smith mit Produkten von Bumble & Bumble Blumen von Cheryl Pierce

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